Archivbase | Juni 2005

Kein Musik ist ja nicht auf Erden

Mittwoch, 8. Juni 2005

Claudio Abbados umjubelte Rückkehr zu den Berliner Philharmonikern.

Dies war nicht ein Konzert, es war das Konzert!Ein Erlebnis, das den ganzen wunderbaren Raum füllte, spürbar jeden der Zuhöhrer ergiff, das Publikum zum Partner des Orchesters erwachsen ließ.Abbado hat es verstanden, mit den hinreißend musizierenden Berliner Philharmonikern eine Magie estehen zu lassen, der oft etwas zutiefst Sehnsuchtvolles zu eigen war, ein quasi transzendental-religiöses Element. Mit den sieben Frühen Liedern von Alban Berg begann der Abend. Sicherlich beruht diese Programmgestaltung darauf, daß man die amerikanische Sängerin Renée Fleming nicht nur im letzten Satz der Vierten Symphonie von Mahler auftreten lassen wollte; als erstes Stück eines Abends, zum Einhören scheint diese leise, intensiv-stille Musik nicht unbedingt geeignet, setzt sie doch die volle Hörbereitschafr voraus, die durchaus erst entstehen muß. Mit den ersten Takten der Mahler-Symphonie stellte sich die Faszination ein und wuchs und wurde zum Wunder. Unter dem magischen Dirigat von Claudio Abbado entstanden Klangwelten, wie man sie so vollendet, den ganzen Raum zwischen der absoluten Stille- wie nur er sie ausformen kann!- und dem schwelgerischem Fortissimo füllend, selten hören konnte. Renée Fleming ließ in enger Übereinstimmung mit dem Dirigenten den letzten Satz der Symphonie mit dem „Wunderhorn – Lied“ zu einer Kostbarkeit aufblühen, deren Nachwirken im Raum tiefe, zeitlose Stille erschuf – sich lösend in jubelden, nicht enden wollenden Beifall.